2. Wintertreffen in Lausen - Homepage der Schweizer Freunde Mechanischer Musik

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2. Internationales Drehorgel-Wintertreffen in Lausen BL

Drehorgelklänge ertönten am Sonntagmorgen, den 26. Januar 2014, in Lausen, Melodien, die an ferne Kindheitstage auf dem Karussell erinnerten. Die Mehrzweckhalle war so voll wie der riesige Parkplatz, denn über 600 Besucher waren gekommen, um sich von nostalgischer Musik verzaubern zu lassen und einen faszinierenden Einblick in die Welt der mechanischen Musikinstrumente zu erhalten. Und es wurden mit viel Hingabe musikalische Juwelen aus den Drehorgel-Schatzkisten gekurbelt. Da gab es nicht nur Evergreens wie „Praterleben“, „Schneewalzer“ oder „Berliner Luft“, gespielt auf teilweise historischen Originalinstrumenten, sondern auch „I have a dream“ der legendären ABBA und „All’s was bruuchsch uf dr Wält“, dies natürlich von allen mit Begeisterung mitgesungen.
Die Ambiance in der angenehm geheizten Stutzhalle war besonders: An den Tischen konnte man gemütlich bei einem Glas Wein mit Gleichgesinnten plaudern und hörte doch im Hintergrund die Musik von Drehorgeln, die entlang der Wand aufgestellt waren und der Reihe nach spielten, während die Traube interessierter Zuhörer sich von Orgel zu Orgel verschob. Ein Journalist berichtet in der Oberbaselbieter Zeitung: „ Die meisten der rund 60 zumeist älteren Drehorgelspieler aus ganz Europa zeichnen sich indes durch eine sympathische Schrulligkeit aus und sind liebenswert altmodisch gekleidet.“
Organisiert war das Treffen wiederum von den Basler Drehorgel-Freunden, einem Verein, der bereits über 40 Aktivmitglieder umfasst. Das OK hatte mit grossem Engagement gründliche Vorbereitungen getroffen und damit beste Voraussetzungen für ein Gelingen des Anlasses geschaffen. Intensive Sponsorensuche, überzeugende grafische Gestaltung der Werbung, guter Kontakt mit den Medien und daneben ein ständiger Blick auf das Einhalten des Budgets führten so zum Erfolg. Zum grossen Besucherandrang hatte die Werbung auf allen möglichen Kanälen beigetragen: Nicht nur wurden 2‘500 Flyer verteilt und an Interessierte verschickt, 40 Grossplakate waren aufgestellt und 250 Kleinplakate in den Geschäften der Region ausgehängt, sondern auch in den Medien konnten Vorschauen platziert werden.
Was wäre ein Wintertreffen ohne kulinarische Genüsse? Das Catering hatte wie vor zwei Jahren die Lausener Fasnachtsclique „Wildsäu“ übernommen, die feines Essen und allerlei Getränke servierte. Die Zusammenarbeit mit dieser sehr engagierten Clique ist ausgezeichnet, ist es doch für ihre vielen meist jüngeren Mitglieder eine echte Herausforderung, 50 grosse Tische und über 300 Stühle in die Halle zu stellen und auf einen Schlag hunderte von Mittagessen zu servieren. Ihre Fasnachtskasse wird es ihnen aber danken. Nur das Dessertbuffet führten die Basler Drehorgel-Freunde in eigener Regie. Dutzende von selbstgemachten Torten und weitere Leckereien waren eine Stunde vor Schluss des Treffens verkauft – nur ganz wenige trocken wirkende Cake-Stücke überlebten die „Schlacht am Dessertbuffet“.
Bereits um 10 Uhr standen die über 60 Orgeln bereit und  es fiel sofort auf, dass die Verschiedenheit der Instrumente dieses Jahr aussergewöhnlich war, eine einzigartiger als die andere. Von der amerikanischen Predigerorgel mit Jahrgang 1884 bis zur vor kurzem fertiggestellten selbstgebauten Walzenorgel war alles zu sehen und vor allem zu hören. Und alle Spieler durften stolz sein auf ihr Instrument, denn wenn die Kirchenorgel oft als Königin der Instrumente bezeichnet wird, ist die Drehorgel ganz sicher die Prinzessin! Gusti Meier aus Itingen war mit seinen 92 Jahren der Nestor unter den Spielern, Micha Schöpfer, gerade mal 12-jährig, der Benjamin. Der Anlass muss wohl etwas  Besonderes sein, dass so viele Spieler ihre Orgel eingepackt hatten und ins Baselbiet gefahren waren, um dann höchstens dreimal 1 Stück spielen zu können. Offenbar ist am Wintertreffen der gesellige Teil wichtig und beliebt. Den weitesten Weg hatte wohl Axel Stüber, der extra aus Berlin angereist war, und er erzählte den neugierigen Umstehenden voller Begeisterung: „Ich war der letzte Orgelbauer Ostberlins.“ Er und weitere Orgelbauer standen an Börsentischen, wo man von der grossen Drehorgel über die neuesten Notenrollen bis zum winzigen Drehorgel-Pin alles kaufen konnte. Auch schöne Walzenspieldosen wurden angeboten. Das Publikum benutzte die Gelegenheit, sich die  Besonderheiten der verschiedenen Instrumente und Geräte vom Fachmann erklären zu lassen, oder etwa einen originalen Phonographen von Edison mit schön geschwungenem Schwanenhals-Trichter zu bewundern. Und über allem lag der von Drehorgeln „gewobene Klangteppich“.
Am Ende des Treffens sah man allseits zufriedene Gesichter, ist der Anlass doch genau so verlaufen, wie es sich die Basler Drehorgel-Freunde gewünscht hatten.
Das 2. Internationale Drehorgel-Wintertreffen hat mit seinem Erfolg viel Sympathien in der Bevölkerung geweckt und war damit beste Werbung für die mechanische Musik.

Edi Niederberger

Fotos von Edi Niederberger
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Copyright © by SFMM -  Alle Rechte vorbehalten - last update: 15.08.2017
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