37. GV in Lichtensteig - Homepage der Schweizer Freunde Mechanischer Musik

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37. Generalversammlung des SFMM in Lichtensteig vom 30.4.2016

Ein einzigartiger Mensch, ein einzigartiges Museum, ein einzigartiges Städtchen, ein einzigartiger Verein, diese Faktoren ergeben eine einzigartige Generalversammlung.


Im Hinblick auf das 40-Jahre –Jubiläum von „Fredy‘s mechanisches Musikmuseum“ war letztes Jahr beschlossen worden, dass sie hier stattfinden sollte. Am 30. April 2016 finden sich also an die hundert Leute in Lichtensteig ein.
Der Hausherr Kurt Grütter heisst die Teilnehmer in seiner Oldtimer-Garage (fast) pünktlich um 10.30 Uhr willkommen. Kurz erklärt er, dass wir uns im „Fadenkloster“ –- einer ehemaligen Weberei -  befinden. Schon früher habe man sich hier getroffen und es sei ein Zentrum des gesellschaftlichen Lebens in Lichtensteig gewesen. Er begrüsst auch den Stadtpräsidenten, Mathias Müller sowie Gemeinderat Guido Ludescher und Rolf Geiger (Krimi-Stadtführer und ehemaliger Gemeinderat).

Der geschäftliche Teil wird in gewohnt speditiver Form erledigt. Präsident André Ginesta weist in seinem Jahresbericht darauf hin, dass dank der modernen Kommunikationsmittel vieles schneller und effizienter geworden ist. Dazu gehört auch die Website, die vom Webmaster stets auf den neuesten Stand gebracht wird – Dankeschön! Es war ein gutes Vereinsjahr, geprägt von der GV in Servion (eine Wucht…), der Reise in die Bodenseeregion und der Sammler-Börse in Schafisheim. In Erinnerung bleiben elf Drehorgeltreffen, besonders die Hitze in Thun, das von den Oldtimermotoren fast übertönte Drehorgelspiel in Lichtensteig sowie das Wintertreffen in Lausen 2016 mit Beteiligung von Radio und Fernsehen. Die Anlässe dienen nicht nur dem Drehorgelspiel, sondern bieten vor allem Gelegenheit zum Fachsimpeln und guten Gesprächen. Max Gautschi berichtet, verbunden mit Dank an A.Ginesta, von der Geschichte der Sammlerbörse mit Vorabend-Programm, die bereits seit zehn Jahren stattfindet. Sie hat sich von einem kleinen Insider-Treffen zum 3. Grossanlass im Vereinsjahr entwickelt.

Die weiteren Traktanden werden problemlos bearbeitet (Details wie gewohnt im Protokoll des Aktuars).

Der Organisator der GV, Markus Bürgler, erzählt, dass es dem guten Willen von Fredy Künzle, Kurt und Walburga Grütter, Rolf Geiger, der Stadt Lichtensteig und auch seiner Frau Barbara zu verdanken sei, dass der Anlass in diesem Rahmen stattfinden kann.

Gemeindepräsident Mathias Müller überbringt die Grüsse der Stadt und ehrt Fredy Künzle. Dieser bedeutet für Lichtensteig sehr viel. Er gilt als Botschafter weltweit und ist seit vierzig Jahren ein Repräsentant für sein Heimatstädtchen, auch wenn es durchaus noch andere Gründe gibt, dieses zu besuchen: Biskuitfabrik Kägi, Weltmeister-Käserei, drei weitere Museen. Fredy ist bekannt als Original und überall gern gesehen. Er hat viele Anlässe initiiert und auch organisiert. Seine Arbeit bedeutet eine grosse Wertschöpfung für das Toggenburg.

Als „Gegenstück“ zu Fredys Liebhaberei der Mechanik  wird ihm als Geschenk der Gemeinde ein Gutschein für eine Kutschenfahrt  überreicht. Er nimmt diesen entgegen mit den Worten: „ Jetzt händs s’Gfühl, si heged mi gfischet“. Unmissverständlich erklärt er, dass er das Museum Ende Jahr schliessen werde. Es sei kein Weg mehr offen. Die finanzielle Belastung und der Arbeitsaufwand seien nicht mehr zu tragen.

Damit wird der erste Teil abgeschlossen.

Während dem Apéro werden die Tische gedeckt und innert kurzer Zeit ist ein schmackhaftes Mittagessen mit Toggenburger Spezialitäten-Teller zum Dessert samt Kaffee und Schnäpsli serviert. Merci vielmals an die tüchtigen Frauen.

Im Anschluss hält Michael Funk die Laudatio auf Fredy. Er wird beschrieben als Persönlichkeit, die schon früh ein „Gschpür“ für Qualität entwickelt hat, mit schneller Auffassungsgabe, klaren Vorstellungen, festem Willen und Eigenständigkeit.

Sein Museum ist von diesen Eigenschaften geprägt. Die systematische Übersicht und die Perfektion sind charakteristisch. Die Instrumente spielen entweder perfekt oder werden gar nicht gespielt. Dies hat oft mit sich gebracht, dass Restaurationsobjekte erst nach langen Wartezeiten vorgeführt wurden. Fredy scheute keine Mühe. Er nutzte sein riesiges Beziehungsnetz und hat dazu Englisch gelernt (bei Migros, wie er bemerkte). Dass er im Museum auch der Chef ist, zeigt seine Aussage: „Wer keinen Eintritt bezahlt, muss anhören, was mir passt“. „Fredys Paradies“, das Haus Froburg, war gefüllt mit Musik und seiner Familie.

Der Nachmittag beginnt für die GV – Teilnehmer mit Museumsbesuchen nach Wahl, bzw. mit der Krimi-Führung.
Endlich, gegen 17 Uhr, ist alles bereit für DEN Höhepunkt, das Schlusskonzert in Fredys Museum. Der Foto-Player wird von Fredy erklärt und detailliert vorgeführt. Das Instrument ist eines von dreien dieses Typs – es gab auch kleinere -, die weltweit noch existieren. „Ein Schiff wird kommen“ ab Notenrolle begeistert. Vom Hupfeld-Geigen-Orchestrion hören wir Melodien aus dem „Vogelhändler“ und ein Medley „Flotte Burschen“ von Franz von Suppé. Ganz nebenbei erfahren die Zuhörer, dass dieses Instrument aus dem Hirschen in Sursee stammt, vorher im Hotel Euler in Basel war, und aus Teilen unterschiedlicher Herkunft zusammengesetzt worden ist. Vorbild war eine Leihgabe von Michael Funk, die er zunächst für wenige Wochen und schliesslich für 10 Jahre an Fredy gemacht hatte. Kommentar Fredy: „Solche Menschen (wie M.F.) sind echte Sammler-Freunde…“.

Der absolute Höhepunkt ist die Live-Vorführung des Foto-Players, gespielt von Markus Fuchs und Raphael Lüthi und beim letzten Stück auch Fredy persönlich. Dreissig Minuten Hochgenuss mit dem „Kadettenmarsch“, „Heinzelmännchens Wachparade“, „Bei dir war es immer so schön“, „Scampolo“, „Capri-Fischer“, und zum Schluss „Tanz der Reklamelichter“ werden geboten.

Fredy beschliesst den Nachmittag mit den Sätzen: „ Das war das 1. schweizerische Foto-Player-Konzert. War meine Idee….“.

Johanna Suter-Egli  

Zu Ende geschrieben habe ich diesen Text, nachdem ich erfahren hatte, dass Fredy Künzle kurz nach diesem wunderschönen Tag aus dem Leben gerissen worden ist. Diese grausame Tatsache tut weh, sie soll aber die Erinnerungen an Fredy und sein Lebenswerk nicht zerstören. Ich bin dankbar, dass ich Fredy kennenlernen durfte.

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Fotos von Peter X. Bürgisser
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Copyright © by SFMM -  Alle Rechte vorbehalten - last update: 15.08.2017
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