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Ein Mechanisches Musikinstrument – was ist das?


Heute, im Zeitalter von iPod und MP-3 Player ist es selbstverständlich, dass Musik in jeder Art jederzeit verfügbar ist. Doch - was war denn vorher? Klar, die jüngste Generation wird sich noch knapp erinnern, dass es CD's gibt. Die Compact Disc, erfunden 1977 und seit Mitte der 1980er Jahre allgemein verbreitet wird gerade aktuell durch die neuen Speichermedien abgelöst. Davor gab es verschiedene Varianten von Magnet-Tonbändern, magnetisierten Draht und die Schallplatte aus Vinyl oder Schellack als Speichermedien für Musik.


einige Tonträger nach 1950

Genau hundert Jahre vor der CD, nämlich im Jahr 1877 erfand der nach Amerika ausgewanderte Schweizer Maschinenbauer Johann Heinrich Krüsi den Phonographen in Zusammenarbeit mit dem bekanntesten Erfinder der damaligen Zeit – Thomas Alva Edison. Mit dieser "Sprechmaschine" war man erstmals in der Lage, Sprache oder Musik auf einer Zinnfolie (später Wachswalze) aufzuzeichnen und danach 1:1 wiederzugeben.


Phonograph

Vor 1877 dienten schon seit Jahrhunderten mechanische Musikinstrumente als Unterhaltungsgeräte.
Laut offizieller Definition sind dies "Geräte bzw. Instrumente, welche ohne künstlerische Betätigung durch den Menschen Musik erzeugen". Mechanische Musikinstrumente spielen keine Konserve ab, wie heutige Unterhaltungsgeräte, sondern es wird ein echtes, akustisches Instrument mit Hilfe eines Datenträgers bespielt. Diese Gattung wird deswegen auch gerne als "selbstspielende" oder "automatische Musikinstrumente" bezeichnet, was jedoch nicht auf alle Geräte gleichermassen korrekt zutrifft. Allgemein verbreitet und gleichzusetzen mit "mechanisches Musikinstrument" ist die Bezeichnung "Musikwerk".

Den Schweizer Freunden Mechanischer Musik ist es ein Anliegen, dass diese technisch und musikalisch hochinteressanten Geräte, Zeugen der Handwerkskunst unserer Vorväter und Teil unserer Volkskultur nicht in Vergessenheit geraten.

Sie haben noch nie etwas von einem mechanischen Musikinstrument gehört und können sich darunter auch nichts vorstellen?

Damit sind Sie nicht allein.
Mit grösster Wahrscheinlichkeit sind Sie im Lauf Ihres Lebens aber bereits dutzendfach mit diesen Geräten in Berührung gekommen - ohne es zu wissen. Vielleicht war es die kleine Spieldose, welche Ihnen bereits als kleines Kind ein Schlummerlied vorgespielt hatte und Ihnen heute aus mancher Lebkuchendose entgegenklimpert? Oder ein Drehorgelmann, der in der Fussgängerzone mit seinem Instrument Passanten jeden Alters erfreut?

Lebkuchendose

Spieldosen und Drehorgeln sind Beispiele für mechanische Musikinstrumente, denen man heute noch da und dort im Alltag begegnen kann. Daneben gibt es aber noch etwa 300 andere Instrumentengattungen, die man der mechanischen Musik zurechnet. Die meisten sind heute aus dem Alltag -und damit aus dem Blickfeld der Allgemeinheit- verschwunden. Die Spannweite geht von genial bis kurios, von ästhetisch bis zweckmässig. Es gibt Instrumente, die einem hohen musikalischen Anspruch genügen und auch andere, die in Kinderspielzeug eingebaut nur als musikalisches Beiwerk, für einen "Gag" sorgen sollen.

Kleiner geschichtlicher Abriss
Als ältestes bekanntes mechanisches Musikinstrument gilt die Äolsharfe. Ein Saiteininstrument, welches durch nichts anderes als den vorbeistreichenden Wind zum klingen gebracht wird. Die Geschichte der Äolsharfe geht in die griechische Antike zurück und damit weit vor den Beginn unserer Zeitrechnung. Schon König David soll mit ihren sphärischen Klängen in den Schlaf gewiegt worden sein.


Aeolsharfe

Musik konnte ansonsten nur geniessen, wer entweder ein Instrument selbst beherrschte, ein Konzert oder den Gottesdienst in der Kirche besuchte.

Ein musikalischeres Zeitalter brach erst im Spätmittelalter an, als ab dem 13. Jhd. die ersten mechanisch gesteuerten Glockenspiele in Kirch- oder Uhrentürmen grosser Städte auftauchten, welche in einer gewissen Regelmässigkeit erklangen und oft mit einem Figurenwerk, einer astronomischen Uhr oder dergleichen gekoppelt waren.
In der Schweiz aus dieser Zeit bekannt ist unter anderem das Figurenspiel in Verbindung mit astronomischer Uhr, Hahnenschrei und Glockenspiel im Zytglogge- Turm in der Berner Altstadt, dessen Ursprung ins frühe 15. Jhd. zurückgeht.


Zytglogge

Im 16. Jahrhundert werden die ersten selbstspielenden Orgeln gebaut, welche mechanisch durch das Prinzip der Stiftwalze gesteuert wurden.
In Teilen erhalten geblieben ist die mechanische Orgel zum Hornwerk der Festung Hohensalzburg in Oesterreich. Der Ursprung dieses Instruments geht auf das Jahr 1502 zurück.


Hornwerk Salzburg

Kleinere Exemplare von mechanischen Orgelwerken wurden in Kunstwerke der "Augsburger Meister" (Goldschmiedekunst) eingebaut. Die Geschenke für die Fürstenhäuser der damaligen Zeit. Dabei wurde nicht nur das Ohr berauscht, sondern durch bewegliche Szenen und figürliche Darstellungen auch das Auge entzückt.

  
Schlottheim Krippe                                                          Orgelwerk Krippe

Einige mechanische Turm-Glockenspiele aus dem 17. Jahrhundert sind in den Niederlanden erhalten geblieben. Jeweils zur vollen Stunde wird durch die Turmuhr über einen Gewichtsantrieb eine grosse, mit austauschbaren Nocken bestückte Trommel in Bewegung gesetzt, welche über eine Mechanik die Klöppel der Glocken betätigt.


Glockenspiel Delft

Das 18. Jahrhundert bringt der mechanischen Musik eine grössere Verbreitung. Für die Fürstenhöfe und den Adel werden immer aufwändigere Instrumente -Höchstleistungen in Feinmechanik und musikalischer Ausdruckskraft-  gebaut.


Kaufmanns acustisches Cabinett

Gleichzeitig beginnt man in Manufakturen mechanische Musikinstrumente ab 1750 in grösseren Serien herzustellen – Ja es kommt ab diesem Zeitpunkt zu einem richtigen "boom"!

Verschiedenste Arten von Musikwerken werden in grosser Zahl für alle erdenklichen Einsatzzwecke und für jeden Geldbeutel produziert:

Ab 1770 Serinette, Merlinette, Perroquette
Ab 1780 Flötenuhr, Glockenspieluhr, Harfenuhr, Salonorgel, engl. Barrel Organ
Ab 1800 Spieldose / Musikdose, Trompeteruhr
Ab 1820 Drehorgel, mechanischer Singvogel, Gebrauchsgegenstände mit Musik
Ab 1830 mechanisches Hackbrett / Rückenklavier
Ab 1860 Puppenautomat, Orchestrion
Ab 1880 Selbstspielendes Klavier, selbstsp. Zither, selbstsp. Harmonium, Jahrmarktorgel
Ab 1890 Notenscheiben-Spieldose, Organette, diverse Musik-Automaten mit Münzeinwurf
Ab 1905 Reproduktionsklavier, selbstsp. Harfe, selbstsp. Banjo, selbstsp. Akkordeon
Ab 1910 Tanzorgel
Ab 1912 Reproduktionsorgel
Ab 1920 Niederländische Strassenorgel

Weitere Geräte werden nicht direkt den mechanischen Musikinstrumenten zugerechnet, gehören aber dennoch zum Interessensgebiet vieler SFMM-Mitglieder:

  • Phonograph (Sprechmaschine)

  • Grammophon

  • Kinoorgel (Theatre Organ, Unit Orchestra)

  • Jukebox


Nach 1895 führte die immer grössere Verbreitung des Grammophons zum langsamen Ende der mechanischen Musik. Zuerst verschwanden die leiseren Instrumente. 1930 war schliesslich durch die Erfindung des Röhrenverstärkers auch das Ende der klangvollen Jahrmarktorgel und des Orchestrions gekommen, die sich bis dahin noch gegen das akustische Grammophon hatten behaupten können. Kurz vor dem zweiten Weltkrieg war die grosse Ära des mechanischen Musikinstruments als Unterhaltungsgerät für alle Bevölkerungsschichten nach rund 160 Jahren zu Ende.

Was uns bleibt, ist die Begeisterung für die handwerklichen Höchstleistungen, mit denen unsere Vorfahren technische Lösungen geschaffen haben, um mechanischen Apparaten wie von Zauberhand das Musizieren beizubringen...

Wo können Sie mechanischen Musikinstrumenten in der Schweiz heute begegnen?
Bereits 1955 öffnete das "Musée Baud" in L'Auberson (VD) als erstes Museum für mechanische Musikinstrumente in Europa seine Pforten. Weitere öffentlich zugängliche Museen mit dieser Thematik entstanden später in Lichtensteig (SG), Seewen (SO), Ste.- Croix (VD), Oberhofen (BE) und in Basel. Sie alle freuen sich auf viele wissenshungrige Besucher!

Einige kleine Handwerksbetriebe beschäftigen sich mit der fachgerechten Instandsetzung alter mechanischer Musikinstrumente und fertigen nach altem Muster individuell auch neue Instrumente an. Mit der Firma Reuge S.A., Ste.-Croix besteht heute auch noch eine Manufaktur für die Fertigung hochwertiger Spielwerke und mechanischer Singvögel in der Schweiz.

Drehorgelspieler aus dem In- und Ausland treffen sich alljährlich zu den seit 1979 auch in der Schweiz zur Tradition gewordenen Drehorgeltreffen. Nähere Infos hierzu können Sie unserer Terminliste entnehmen. Auch hierzu sind interessierte Besucher immer herzlich willkommen.


Drehorgeltreffen

Spielen Sie mit dem Gedanken, sich vielleicht ein mechanisches Musikinstrument zuzulegen?
Dann sind Sie bei der SFMM- Sammlerbörse, welche alljährlich im Spätherbst stattfindet, genau richtig. Rares, kostbares, zeitloses, kitschiges –alles um mechanische Musik- sucht dort den richtigen Abnehmer. Die SFMM- Sammlerbörse hat sich weiter zu einem wichtigen Treffpunkt für Sammler, Interessierte, Händler und Liebhaber mechanischer Musikinstrumente in der Schweiz gemausert.


Sammlerbörse

Einige Mitglieder aus den Reihen der SFMM verfügen über wunderbare Privatsammlungen, die normalerweise nicht öffentlich zugänglich sind. Dennoch sind unsere Mitglieder sehr daran interessiert, dass das Kulturgut "Mechanische Musikinstrumente" nicht in Vergessenheit gerät. Ernsthaft interessierten, öffentlich zugänglichen Museen werden deshalb unter bestimmten Voraussetzungen gerne einzelne  Exponate oder auch ganze Sammlungen für Sonderausstellungen zur Verfügung gestellt.

Die Schweizer Freunde mechanischer Musik geben alle 4 Monate ein interessantes Journal für ihre Mitglieder heraus. Dort erfahren Sie nebst den aktuellen Terminen auch vieles über die Instrumente, deren Geschichte, Musik, Technik, Pflegetipps wie auch zu vergangenen Veranstaltungen, sehenswerten Museen usw. Eine  Ausgabe können Sie hier einsehen.

Alle weiteren Ausgaben sind nur den Mitgliedern zu gänglich.

Seite erstellt von Raphael Lüthi & Peter X. Bürgisser, Februar 2014



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